

Diese Steigerungsform ist nicht ganz ernst gemeint. Ob ein Geistlicher geistlicher ist als ein Nichtgeistlicher? Unter einem Geistlichen verstehen wir umgangssprachlich den Amts- oder Würdenträger einer Kirche. Ich denke nicht, dass Amt und Würde zwingend etwas darüber aussagt, wie ein Mensch zu Gott steht. Mit anderen Worten: So wie es geistliche und ungeistliche Nichtgeistliche gibt, gibt es vermutlich auch geistliche und ungeistliche Geistliche.
Der andere Begriff, der in diesem Zusammenhang verwendet wird, ist Laie. Wir verstehen darunter im kirchlichen und religiösen Sprachgebrauch jemanden, der nicht Geistlicher ist. Das Wort stammt vom griechischen Laós (Volk) oder laikós (zum Volk gehörig). Laie ist deshalb ein Mensch, der zum Volk Gottes gehört.
Die IVCG bezeichnet sich als Laienbewegung. In ihr haben nicht die theologischen ‘Profis’ das Sagen, sondern Menschen, die mitten im beruflichen Alltag stehen: Führungskräfte in Industrie und Verwaltung, Selbstständigerwerbende, Politiker, Mitglieder des Lehrkörpers an Hochschulen etc. etc. Ihre Gemeinsamkeit? Dass sie begeistert sind: Be-geistert von Gott und von Jesus Christus; geprägt vom Heiligen Geist! So begeistert, dass sie diesen prägenden Aspekt ihres Lebens nicht für sich behalten, sondern ihn mit anderen Menschen, mit ihren Freunden und Kollegen teilen wollen.
Dieses Konzept hat einiges für sich. Sprechen kirchliche Amts- und Würdenträger vom Glauben, sind sie sehr rasch mit der Idee konfrontiert: Der muss so; schließlich wird er dafür bezahlt. IVCG-Mitarbeitende werden nicht bezahlt (finanziell gesprochen ist die Mitarbeit in der IVCG zweifellos ein ‘Verlustgeschäft’). Der andere Aspekt ist aber weit wichtiger: Weil die Mitarbeitenden der IVCG mitten im Berufsleben stehen, setzen sie sich dem Urteil aus, ob der Geist Gottes auch ihren Arbeitsalltag prägt.
Jesus selber war Berufsmann. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er Tische und Stühle (oder was auch immer ein Zimmermann zur damaligen Zeit zu produzieren hatte) herstellte und verkaufte, die ‘Pfusch’ waren. Im Gegensatz zu ihm sind wir allerdings nicht vollkommen. Ob ich als Inhaber eines Unternehmens oder als leitender Mitarbeiter, als Zahnarzt oder Rechtsanwalt arbeite: Es schleichen sich Fehler ein; Termine werden versprochen und nicht eingehalten, Leistungen suboptimal erbracht. Die Beziehung zu Gott und Jesus Christus, die Be-Geisterung, bewahrt uns nicht grundsätzlich davor, Fehler zu machen. Und es gibt in jeder Berufsgattung Menschen, die Hervorragendes leisten ohne Christen zu sein. Das Resultat unserer beruflichen Arbeit macht also nicht zwingend den erkennbaren Unterschied.
Worin aber liegt er? Ich behaupte, im Umgang mit den Fehlern. Weil ich nicht perfekt sein muss, um mich von Gott angenommen zu wissen, muss ich mich auch vor anderen Menschen nicht vollkommener geben, als ich bin. Ich habe bessere Möglichkeiten, mit eigener Schuld umzugehen (und kann zu meinen Fehlern stehen und Menschen sowie Gott um Vergebung bitten). Weil ich mich von Gott angenommen weiß, muss ich auch nicht verbissen um Anerkennung durch andere Menschen kämpfen. Und weil ich weiß, dass Gott die Zukunft kennt – auch meine Zukunft! – kann ich weniger angstgeprägt leben. Das entspannt!
Stimmt das alles? Besuchen Sie IVCGAnlässe; beobachten Sie Ihre Gesprächspartner. Sprechen Sie sie auf ihre Begeisterung, aber auch auf ihren Umgang mit eigenen und fremden Fehlern an. Fragen Sie, ob Ihr Gegenüber angstvoll oder zuversichtlich in die Zukunft blickt. Ich wünsche Ihnen frohe Entdeckungen!