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Die IVCG

 
Ausgabe 02/10 

Geistliche Kraftquellen

Ihre Arbeit führte Sie in die verschiedensten Länder der Erde mit unterschiedlichsten Kulturen und Religionen. Die Frage nach den Quellen der Kraft, um das Leben zu bewältigen, bewegt wohl alle Menschen …

Ja, das ist so. Ob in der westlichen Welt, in Afrika oder Asien, die ‘Methoden’ sind einfach verschieden. Zuerst ist immer die Frage relevant, ob ich die Kraftquelle außerhalb von mir oder in mir suche.


Wer zum Beispiel Yoga betreibt, mag sagen: »Christen meditieren ja auch, also kann es doch nicht schlecht sein.« Es stimmt, dass es auch eine christliche Form der Meditation gibt, die eine lange Geschichte hat. Zur Unterscheidung ist jedoch die Frage zu stellen, worauf sich die Meditation konzentriert oder was das Objekt der Meditation ist. Die christliche Meditation konzentriert sich auf Gott, auf ein Bibelwort oder auf ein Symbol, das mit dem Glauben zu tun hat.


Zweitens ist zu fragen: Auf welche Weise wird die Meditation durchgeführt? Christen denken über Gott nach und halten Zwiesprache mit ihm im Gebet. So werden die Gedanken gefüllt und geprägt von etwas bewusst Gewähltem! In der Praxis der östlichen Meditation dagegen soll der Meditierende seine Sinne zuerst einmal ganz entleeren und die Kontrolle über seine Gedanken ausschalten. Ist dies gelungen, soll er offen sein für Impulse, die er aus sich selbst oder aus der übernatürlichen Welt empfängt. Der Meditierende hat demnach keine Kontrolle mehr darüber, welche Kräfte oder Geistwesen daraufhin in ihm zu wirken beginnen. Deshalb ist das christliche Nachdenken über Gott und über den Glauben nicht mit der östlichen Meditation gleichzusetzen!


Wer die Kraft von außen sucht, muss sich also überlegen, ob er sich einzelnen Geistwesen oder dem in der Bibel beschriebenen allmächtigen Schöpfergott anvertrauen möchte.

‘Gute Geistheiler’ rufen auch Gott an?


Wer sich einem magischen Weltbild verschrieben hat, glaubt vielleicht gleichfalls an den allmächtigen Gott und betet sogar zu ihm. Wer also von Gott spricht, vertritt nicht automatisch das biblische Weltbild, auch wenn es den Anschein hat. Das kann verwirren. Menschen mit magischer Überzeugung können sogar Jesus oder Heilige erwähnen oder anrufen und die Bibel als Glücksbringer oder Fetisch anbieten. Jesus wird in diesem Fall aber nur als geistige Kraft bemüht, ohne dass er als Gottes Sohn, Erlöser und Herr anerkannt wird.


Warum wird nun aber der christliche Weg von wenigen als attraktiv empfunden?
Wer die vielen Angebote zur Weiterbildung betrachtet, entdeckt, dass das Verhältnis der Angebote mit magischem oder esoterischem Hintergrund zu den Angeboten mit christlichem Hintergrund extrem unausgewogen ist. Das Angebot, sich aus sich selbst heraus zu verbessern und zu vervollkommnen, ist für viele Menschen attraktiver, als Gott anzuerkennen und auf seine Kraft zu vertrauen. Der christliche Weg braucht nun einmal ein demütiges Herz und diese Demut fällt vielen Menschen schwer.


Wie lässt sich der Ansatz, alles selbst bewältigen zu wollen, zu Ende denken?
Wer so denkt, kommt trotzdem nicht um die Fragen herum, ob er in letzter Konsequenz sein eigener Halt und sein eigener Anker sein kann. Was geschieht, wenn seine innere Spannkraft nachlässt und er sich nicht mehr selber halten kann? Die Schlussfolgerung aus dieser Standortbestimmung muss jeder ganz persönlich ziehen.

Der Autor

Peter Regez

Peter Regez, Dr. Ing. ETH

Peking, China

Ausbilder, Berater und Coach für transkulturelle Einsätze, verheiratet mit Marianne Regez, vier erwachsene Kinder, ein Enkelkind

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