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Ausgabe 08/09 

Freude

Einige Gedanken zum Thema Freude:

Freude kommt aus innerem Frieden. Unser Herz ist ruhig, wenn wir alles getan haben, was wir können. Wenn alles Mögliche getan ist und Gott das Unmögliche hinzufügt, dann kommt es zu einem wunderbaren Ergebnis. Diese Zusammenarbeit ist eine unerschöpfliche Quelle der Freude.


Freude spüren wir auch, wenn wir im Nachhinein sehen, wie sorgfältig Gott alle kleinen Schritte in unserem Leben geplant hat. Irgendwann begreifen wir den hinter uns liegenden Pfad und die Bedeutung jeder Stufe im göttlichen Plan.


Freude ist da, wenn wir Gottes Nähe spüren. Das ist ein überschäumendes Glück, das uns nachhaltig Kraft schenkt.


Erfolge unserer Liebsten sind eine Quelle der Freude.


Freude liegt auch in der Schöpfung: in der Sonne, im Frost und in mit einem Spitzenschleier aus schneebedeckten Baumästen.


Bevor ich Gott entdeckte, war meine Freude ausschließlich an besondere Leistungen meinerseits geknüpft. Und selbst im Moment der Freude wusste ich, dass dies zeitlich begrenzt war. Wenn mein Leben eine relativ lange Zeit gut verlaufen war (ohne größeres Missgeschick und Unannehmlichkeiten), kam Angst in mir hoch, dass sehr bald etwas Schlimmes passieren würde. Größere Herausforderungen überlasteten mich. Während andere bewunderten, wie souverän ich mit Schwierigkeiten zurecht kam, hatte ich das Gefühl, die nächste größere Herausforderung würde mich zur Strecke bringen. Ich war sehr erfolgreich, aber die kurze Freude über das Erreichte gab mir keine Sicherheit. Insgesamt erschien mir mein Leben als zu schwer.


Als ich mich dann für Gott entschied und ihm erlaubte, in mein Leben einzugreifen, wurde die Freude mein ständiger Begleiter. Mein Leben wurde sicher. »Allem bin ich gewachsen durch den, der mich stark macht.«1 »Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein?«2


Mit Gott arbeiten



Mit Gott zu arbeiten, egal wo, ist pure Freude. Meine jetzige Position als Prorektorin der Estonian Business School habe ich mit Gott angetreten. Ich bat ihn, er möge mir in dieser Stellung beistehen. Später, als ich ein bisschen im Glauben gewachsen war, konnte ich anders beten: »Gott sei Du an dieser Stelle und arbeite durch mich.«


Sehr bald konnte ich erfahren, wie Gott Gebete erhört. Es kam nämlich die Zeit, an der unser Promotionsprogramm akkreditiert werden sollte. Durch ein uns nicht gewogenes Umfeld waren unsere Erfolgschancen gering. Denn staatliche Entscheidungsträger waren allgemein feindselig gegenüber privater Ausbildung. Somit schien der Gedanke an ein Programm für Doktoranden an einer Privathochschule völlig abwegig. Vertreter konkurrierender Universitäten sorgten dafür, dass diese Einstellung fortdauerte.


Von unseren Promotionskandidaten hörten wir, der Dekan für Wirtschaftswissenschaften einer staatlichen Universität habe öffentlich erklärt, dass das Programm für Doktoranden der EBS unter keinen Umständen eine Genehmigung bekommen würde.


Ein höherer Beamter ließ einen unserer Kandidaten wissen, dass er seine Dissertation gar nicht verteidigen müsse, da die Akkreditierung sowieso nicht erteilt würde. Ein Anwärter auf die Position des Hochschulleiters einer öffentlichen Universität machte sogar den Vorschlag, der EBS auch das Masterprogramm abzuerkennen.


Inzwischen wurde ein neues Gesetz verabschiedet, nach welchem eine Institution ohne Promotionsprogramm sich nicht Universität nennen darf. Andere Privatuniversitäten scheiterten an ihrem Versuch, eine Akkreditierung zu erlangen. Solche Schulen würden aus der Bildungslandschaft verschwinden und ihre Programme von öffentlichen Universitäten übernommen werden. Also war diese Anerkennung für die EBS von überlebenswichtiger Bedeutung.


Selbstbewertung




Eine Selbstbewertung war zu schreiben, ein Weg voller Hindernisse.Keiner wollte sich daran beteiligen, da es als ‘das persönliche Hobby der Prorektorin’ angesehen wurde und andere nichts anginge. Ein altgedientes Mitglied der Fakultät betonte dies wiederholt, um diejenigen zurückzuhalten, die bereit gewesen wären mitzuarbeiten. Jeder, mit dem ich darüber sprach, meinte, es sei nicht seine Sache. Einer war bereit, die Dokumentation der Bachelor- und Masterprogramme zu sortieren, nicht aber die Unterlagen des Doktorandenprogramms.


Diese Situation dauerte ein halbes Jahr an. Es kam zur Krise: Der Bericht war unbrauchbar. »Durch einen solchen Bericht ist die Akkreditierung garantiert zum Scheitern verurteilt«, so per E-Mail die Aussage eines Mitglieds der staatlichen Hochschul-Kommission für Evaluation.


Zum Glück war ich theoretisch recht gut darauf vorbereitet. Seit Anfang 2007 war mir als Wirtschaftsexpertin klar, dass sich eine Wirtschaftsflaute ankündigte. Ich hatte viel über Krisenmanagement gelesen und ein Modell dazu entwickelt. Meine Studenten und ich hatten Daten zum Thema Krisenmanagement in der Wirtschaft gesammelt und ein Buch über Theorie und Praxis zusammengestellt. Das war zwei Monate vor dem Abgabetermin.


Zehn Tage vor Abgabetermin hatte ich die Gelegenheit, Krisenmanagement im wahren Leben auszuprobieren. Ich bat meine engsten Freunde, für den Prozess und seinen guten Ausgang zu beten.


Noch am gleichen Tag berief ich eine Sitzung ein; alle waren noch immer widerspenstig und schlecht gelaunt. Wiederholt machten sie den einen, der mit diesem Bericht beauftragt worden war, für alles verantwortlich. Aber gerade er brauchte alle Hilfe der Welt, um unsere Position zu verbessern.


Ich sah meine Rolle in dieser Situation als Friedensstifterin, als Schlichterin.



Wir arbeiteten tagelang, und auf Anregung des Berichtschreibers diskutierten wir noch einmal über das Promotionskonzept der EBS. In diesem Zusammenhang veränderten wir die Aufnahmekriterien und das Forschungsziel unserer Universität. Als Folge wurden alle Kursbeschreibungen neu verfasst und eine neue Lernstrategie entwickelt. Ein Kollege aus der juristischen Fakultät bot an, alle Dokumente zu überarbeiten. Das Ergebnis war Ordnung und Transparenz für alle Beteiligten.


Während der ganzen Zeit fühlte ich mich mehr als Mediatorin denn als Leiterin. Dinge passierten, und ich ließ sie geschehen, organisierte Sitzungen und fand Leute für die Schreibarbeit. Gott hat uns in diesem Prozess geführt und verschiedene Menschen zur Seite gestellt, um aus Engpässen herauszuführen wie auch uns mit Informationen zu versorgen und unsere Mängel auszugleichen. »Meine Gnade ist alles, was du brauchst!«3

Der ganze Prozess machte uns zu einem gut zusammenarbeitenden Team. Stars auf ihrem Gebiet wurden zu Teamspielern. In Gottes Hand ist nichts unmöglich.




Der Besuch der Experten-Kommission



An dem Tag, als die Experten-Kommission unsere Hochschule besuchte, bestätigte sich eine schon früher gemachte Erfahrung: Die wunderbarsten und einprägsamsten Tage sind die, an denen man Gott ganz nah spürt. Das hatte ich ein halbes Jahr zuvor erlebt.


Eine Augenoperation wurde bei mir nur mit Lokalanästhesie durchgeführt. Spritzen ins Augenlid, Lasern und Stiche sind nicht das Angenehmste, was ich mir vorstellen konnte. Während ich warten musste, rief ich zwei Freunde an und bat sie, für mich zu beten. Danach fühlte ich mich vollkommen sicher, war ruhig und gelassen während der ganzen Operation.


Das gleiche passierte, als die Expertenkommission kam. Der erste, gescheiterte Akkreditierungsantrag hatte eine unangenehme Stimmung zur Folge gehabt. Dieses Mal jedoch war alles von Anfang an sehr angenehm; es wurde sogar gescherzt. Der Besuch dauerte von 9.00 bis 17.00 Uhr. Nach dem Mittagessen merkte ich, dass der Stress der vergangenen Monate verschwunden war und ich mich erstaunlich wohl fühlte. Den ganzen Tag spürte ich Gottes Gegenwart und sah, dass seine Führung kleinste Details berücksichtigte.


Dieselbe Kommission hatte einige Tage zuvor eine andere Universität besucht; die Ergebnisse waren noch nicht mitgeteilt worden. Aber uns wurde kurz nach 17 Uhr verkündet, das Ergebnis sei positiv. Am nächsten Tag schrieb die Kommission ihre Bewertung, und wir bekamen mittags eine E-Mail von einem Kommissionsmitglied:






Es gehört zu den Freuden des Lebens, durch die Welt zu reisen und solche Menschen wie Sie und Ihr Team der EBS kennen zu lernen. Ihre Begeisterung für Bildung und die Präsentation der Aufgaben Ihrer Hochschule sind ansteckend! Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihr Unterfangen und danke Ihnen für Ihre wunderbare Gastfreundschaft.


Am Montag bekamen wir den offiziellen Brief der Kommission. Das Promotionsprogramm der EBS wurde zur vollen Akkreditierung empfohlen. Im Bericht wurde keine einzige Veränderung verlangt und zu jedem Kriterium (die Liste war einige Seiten lang) stand: ‘erfüllt’. »Ich habe noch nie einen so ‘sauberen’ (ohne kritische Kommentare) Bericht gelesen«, meinte ein Kollege, der estnische Bewertungsberichte gut kennt. So arbeitet Gott, wenn wir ihn bitten, und er erhört Gebete. Und es waren viele, die mit gebetet hatten! »Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet!«4


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1 Philipper, Kapitel 4, Satz 13; Gute Nachricht Bibel
2 Römer, Kapitel 8, Satz 31
3 2. Korinther, Kapitel 12, Satz 9
4 Lukas, Kapitel 11, Satz 9


Die Autorin

Prof. Ruth Alas

Prof. Ruth Alas

Tallin, Estland


Prodekanin der Fakultät Naturwissenschaften an der Estonian Business School in Tallin. Veröffentlichte 24 Management-Bücher und mehr als 100 Artikel. Verheiratet, zwei Töchter.

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